Die Dreistigkeit der Abschreiberinnen

28 01 2016

Es geht ja momentan ein wenig mehr rund als sonst. Plagiatsvorwürfe gibt es jährlich, angefangen bei Doktorarbeiten, doch diesmal ist wirklich eine enorme Chuzpe mit dabei. Diesmal geht es um Bücher. Belletristische Bücher. Fiktion. Da werden nicht nur einzelne Textstellen, sondern ganze Romane Wort für Wort abgeschrieben und dann als eigene Werke ausgegeben und zum Teil bis zum Bestseller vermarktet.
Zuerst wird das Ganze geleugnet, dann als „ich weiß nicht, was ich geschrieben habe“ ausgegeben, man verstrickt sich immer mehr in Widersprüche und Lügen, und zuletzt wird dann heulend zugegeben „ja, ich war’s“ – allerdings ohne „mea culpa“. Oh nein, die culpa ist weit, WEIT entfernt. Man habe das ja gar nicht gewollt. Nicht drüber nachgedacht. Und eigentlich. Und sowieso. Man schäme sich. Und in Wirklichkeit sind sowieso die anderen Schuld.

Das bringt mich zum ersten Mal in diesem Jahr zum KOTZEN. Die Abschreiberinnen schämen sich nur, weil sie erwischt worden sind – von Reue oder gar Schuldgefühl nicht die geringste Spur. Denn erzähle mir doch bitte niemand, dass er nicht weiß, was „Urheberrecht“ bedeutet. Was „Diebstahl“ heißt.
Vor allem: Keine der Diebinnen hat irgendwo ins Netz gestellt, dass sie das ganze unrechtmäßig erworbene Geld an denjenigen zahlen wird, von dem das Original stammt! Nein, das Geld bleibt schön auf dem Konto, da wird nur um „VERZEIHT MIR!“ gebettelt – und totale Dumpfbacken tun das auch noch! Sie bemitleiden die „mutige Autorin“ (würg, in dem Zusammenhang möchte ich das Wort nicht schreiben), damit an die Öffentlichkeit gegangen zu sein – und ich übergebe mich gleich das nächste Mal.

Ein Plagiat ist KEIN Kavaliersdelikt. Das ist in jedem Fall eine Urheberrechtsverletzung und kann als Straftat verfolgt werden – wird damit Geld gescheffelt wie blöde, kommt es in jedem Fall zu einem Zivilprozess. Bereicherung, Schädigung … und vieles mehr fällt mir dazu ein.
Die Absicht, sich auf diese bequeme Weise, ohne etwas dafür tun zu müssen, selbst zu bereichern, wird doch hoffentlich keine der beteiligten Plagiatorinnen von sich weisen, oder? „Ich hab das nicht gewollt“ – ja klar. „Ich wollte niemandem schaden“ – hallo? In einem Fall heulte die Plagiatorin auch noch auf Facebook rum, dass ihre beste Freundin, deren Werk sie für ihr eigenes ausgegeben hatte, nichts mehr mit ihr zu tun haben will – und erntet auch noch Mitgefühl! Böse Freundin! Also echt! Kein bisschen Verständnis, kein bisschen Unterstützung! Ich kann gar nicht so viel in mich reinfressen wie ich kotzen muss.

Es geht hier nicht um missverstandene Rechtsauffassung, denn bereits ab der ersten Klasse Grundschule wissen wir, dass Abschreiben nicht erlaubt ist und bei Auffliegen mit Note 6 bewertet wird. Und es geht auch nicht um Moral. Wer so etwas tut (auch noch der eigenen Freundin an!), hat keine Moral und kein Gewissen, der will sich einfach nur bereichern, reich und berühmt werden, ohne dafür arbeiten zu müssen, weil man es nämlich gar nicht kann. Wer schreiben kann, schreibt nicht ab. Punkt!
Wie genau diese Leute sich ihrer Tat bewusst sind, merkt man daran, wie sie um Mitleid heischen, um von der eigentlichen Tat abzulenken. Das ist alles nichts als raffiniertes Kalkül. Wenn die überhaupt etwas empfinden, dann höchstens Wut, weil sie erwischt worden sind, Wut auf diejenigen, die sie haben auffliegen lassen. Die sind an allem Schuld!

Ich hingegen fremdschäme mich wirklich, dass solche schamlosen Plagiatoren es wagen, meinen Beruf als ihren anzugeben. Widerlich ist das. Ich wünsche mir, dass wenigstens eine der Plagiatorinnen tatsächlich verklagt und zu einer angemessenen Geldstrafe verdonnert wird, um all die Nachahmerinnen abzsuchrecken und ihnen deutlich zu machen, dass sie nicht wegen Raubkopien ihrer eBooks einerseits rumjammern dürfen und andererseits selbst nur billige Diebe sind. Aber das ist ja vermutlich was anderes, wenn man es selbst tut. Und ich schätze auch, man wird sich mit den Verlagen, insofern sie tätig werden, außergerichtlich einigen, denn Verlage haben in der Regel auf solche Schauprozesse keinen Bock. Und ich hab keinen Bock auf solche „KollegInnen“. Für so etwas gibt es weder eine Rechtfertigung noch Verständnis.

Pfui. Bäh. Geht weg. Und eure treuen Fans gleich mit.


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1 Antwort zu “Die Dreistigkeit der Abschreiberinnen”

29 01 2016
RoM (20:06:26) :

Hoi, Uschi.
Bei der Vorbildhaftigkeit all unserer Copy & Paste-Doktoren stinkt es zwangsläufig auch in die Breite der Gesellschaft hinein. Trefflich finde ich hier Deinen Verweis (sic!) auf die garantierte „6“ beim Abschreiben in der Schule. Sollte eigentlich jeder diesen Hinweis zur Charakterbildung mitbekommen haben. Aber egal ob Ex-Geel-Minister oder ehemalige Freundinnen – aller Betrüger halten sich zunächst für besser & schlauer als die anderen.

Das mit der öffentlichen Tränendrüse hat sich von den Staaten her zu uns bewegt; wann immer definitiv Ertappte einen auf große Reue machen. Sportler, TV-Prediger & Politiker sind in der Masche führend.
Abgesehen davon wird es immer Fußvolk geben, das Geschaßten die Stange hält. Speichel zu lecken halten manche für eher normal.

bonté

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