Hanns Kneifel ist gestorben

9 03 2012





In der Nacht vom 7. März ist mein lieber Kollege und unser geschätzter Fabylon-Autor Hanns Kneifel gestorben. Erst wenige Tage vorher kam er völlig überraschend in die Klinik, da es ihm bis zuletzt ausgezeichnet ging, er war noch im Februar voller Tatendrang – und dann ging alles sehr schnell. Ihm war jedoch ein stiller Tod vergönnt, und er konnte friedlich gehen.
Unser Verlag trauert um einen großartigen Autor und eine harmonische, fröhliche, unkomplizierte und konstruktive Zusammenarbeit.
Ich trauere um einen lieben Kollegen; auch wenn wir uns immer nur zu Veranstaltungen und zum Münchner Stammtisch getroffen haben, hatte ich doch das Gefühl, dass wir uns nahestanden, und wir haben uns sehr gemocht. Kennengelernt habe ich Hanns 1993 aus einem anderen traurigen Anlass, Kollege Kurt Mahr war gestorben, und da wir beide aus München waren, machten wir aus, gemeinsam zur Trauerfeier zu fahren. Da begegnete ich diesem inzwischen auch für seine historischen Romane bekannten Autor das erste Mal. Er war groß und stattlich, mit einer enormen Ausstrahlung, und ohne großes Beschnuppern oder Fremdeln haben wir uns auf Anhieb verstanden und die lange Autofahrt mit Gesprächen über die Arbeit, Gott und die Welt verkürzt. Wir waren Freunde vom ersten Moment an, auch wenn unsere Wege sich privat nie kreuzten.
Der nächste einschneidende Moment war der Perry Rhodan-Weltcon 1999. Es ist Samstag Abend gegen 22 Uhr, alle Verpflichtungen für mich sind rum, alle Tische voll belegt mit bereits deutlich angeheiterten Kollegen, und Hanns Kneifel steht an der Bar, offenbar kurz vor mir eingetroffen. Das ist auch mein Weg, um etwas zu ordern. Er sieht mich an: „Whisky?“ Ich: „Whisky“. Er: „Barmann, was hast du?“ – Antwort: „Glenfiddich, 15 Jahre“. „Her mit der Flasche!“ Der Barmann schenkt ein, Hanns starrt auf sein Glas und sagt erschüttert: „Was soll das sein?“ – „Naja, Sie wollten doch …“ – „Ich habe Whisky bestellt, keinen Fingerhut!!!“ Und damit ging’s dahin, zuerst Doppelte, dann Dreifache, beim letzten musste ich dann passen. Wir unterhielten uns blendend bis die Bar schloss und gönnten vergnügt keinem anderen auch nur einen Schluck aus der Flasche. Das ist meine schönste Erinnerung an diese Veranstaltung und auch meine schönste Erinnerung an Hanns. Alles passte. Er war ein hervorragender Erzähler, kannte unzählige Geschichten, hatte einen bissigen Humor und eine bärbeißige Art, und war immer freundlich und aufmerksam, er hörte immer zu und ließ den anderen ausreden. Zusammen mit seiner imposanten Erscheinung war er ein Unikat, ein ganz besonderer Mensch. Ich sagte oft zu ihm: „Du bist für mich wie ein Baumstamm: kraftvoll, knorrig und warm, nichts kann dich umwerfen.“
Auf dem Weltcon 2011 haben wir uns allerdings zurückhaltender gegeben, und leider hatte ich auch nur sehr wenig Zeit, mich mit ihm zu unterhalten. Doch bei den Autogrammstunden saßen wir nebeneinander, und Hanns hat sich unermüdlich mit den Fans ausgetauscht, während er ebenso unermüdlich hunderte und tausende von Autogrammen gab. Eine persönliche Autogrammkarte habe ich mir auch von ihm geben lassen, die mir jetzt eine schöne Erinnerung bleibt.
Hanns war ein ungewöhnlicher Autor mit einem unverwechselbaren Stil, ein sehr disziplinierter und immer fleißiger Arbeiter, der in jedem Bereich als Vorbild diente, und er verstand es, das Leben zu nehmen, war ein Freund guter Genüsse und strahlte stets Optimismus aus.
Zuletzt haben wir uns Weihnachten 2011 auf dem Stammtisch getroffen, und da war er bester Dinge. Im Januar war ich leider verhindert, sodass es bei dieser letzten Begegnung blieb.
Hanns Kneifel wurde 75 Jahre alt.

Das Bild oben zeigt uns bei der Buchvorstellung 2006 in München, im Rahmen des 45. Perry Rhodan-„Geburtstags“festes. Sein historischer Fantasy „Hakonwulf von Thule“ ist soeben als schönes Hardcover bei Fabylon erschienen, und es gibt eine Lesung, Diskussion und Autogrammstunde (nachstehende Bilder).



Leb wohl, lieber Hanns, ich werde dich sehr vermissen.

Nachtrag: Auf der Internetseite der Süddeutschen Zeitung findet sich die Traueranzeige, sowie ein Kondolenzbuch und die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden. SZ


Aktionen

Informationen

16 Antworten zu “Hanns Kneifel ist gestorben”

9 03 2012
Hans Kneifel (1936-2012) | SF-Fan.de (11:07:03) :

[…] Autorenkollegin Uschi Zietsch (Susan Schwartz) hat soeben auch einen »kleinen, persönlichen Nachruf« auf Hans Kneifel in ihrem Blog veröffentlicht: http://blog.fabylon-verlag.de/?p=2659 […]

9 03 2012
Frank Böhmert (11:14:58) :

Ein schöner Nachruf. Ich habe Hans Kneifel nie persönlich kennengelernt, aber vor allem als Jugendlicher einige Romane von ihm gelesen, die ich schon damals sehr farbig und lebendig fand. Seine Dialoge waren immer auf eigenartige Weise stark: irgendwie neben der Spur, aber zugleich auch pointiert. Solche Dialoge hat kein anderer deutscher Autor je geschrieben; die kann man höchstens schlecht parodieren, aber kaum gelungen nachmachen. Ich ziehe meinen Hut, und wenn ich gerade einen guten Whisky im Haus hätte, würde ich heute Abend einen auf ihn trinken.

9 03 2012
Andreas Wolz (11:36:20) :

Das ist eine traurige Nachricht und ein auf seine eigene Weise anrührender Nachruf.

9 03 2012
Volker (14:18:11) :

Liebe Uschi,
ich danke dir für den sehr bewegenden Nachruf auf diese traurige Nachricht!

9 03 2012
Ralf (15:46:22) :

Liebe Uschi!
Vielen Dank für die schönen Worte. Ich kann mich noch gut an eure Lesung in München 2006 erinnern. Ich werde das Buch heute abend noch einmal zur Hand nehmen. Auf dem WeltCon 2011 habe ich ja an eurem Autogrammtisch als Springer „für Ordnung gesorgt.“ Leider läßt sich das nun nicht mehr wiederholen. Schade!

9 03 2012
Bernhard (17:34:01) :

Ich habe erst gerade die traurige Nachricht in FB gelesen.
Mit Han(n)s hatte ich als junger Leser zunächst meine Schwierigkeiten, waren seine Romane pointiert, einen Schuss „intellektueller“, einach „anders“, als andere Rhodan-Romane, andere Stories geschrieben.
Später liebte ich seine Erzählungen, „Hatschepsut“, viele Atlan-Romane haben mich begeistert.
Traurig, nun von seinem Ableben zu lesen.
Mein Beileid der Familie, den Freunden und Angehörigen.

9 03 2012
Bernhard Rösen (23:01:38) :

Es ist unendlich traurig, es sind so viele Autoren gegangen, seit ich Ende 1965 zur Perry Rhodan Serie gestoßen bin, damals Ende 10, fast anfänglich 11,
ein besonders gutes Taschenbuch fand ich damals“Höllentanz der Marionetten“,
Orginal 1967, in MDI bereich, super, wieder einer weniger aus meiner Jugendzeit,
nur traurig darüber, wie viele sind schon von uns gegangen, die die P.R. Serie so
geprägt hatten, schade, kann man nur sagen, zu den Sternen Willi, Hans und die vielen anderen, in Trauer Bernd Rösen

9 03 2012
Gustav Gaisbauer (23:33:59) :

Hanns, ich trauere um Dich.
Gustav

10 03 2012
peter palacios (00:08:24) :

May you rest in peace, while you eternally continue to watch the universe.

10 03 2012
Andrea (01:58:34) :

Für mich ist… war… Han(n)s Kneifel immer auch der Autor vieler ORION-Romane. Beim Perry-Weltcon haben wir uns noch kurz gemeinsam an die „alten Zeiten“ erinnert und ich habe von ihm daher eine „besondere“ Autogrammkarte erhalten.
Wie traurig, daß er von uns gegangen ist.

10 03 2012
RoM (06:20:39) :

Für einen Nachruf den richtigen Ton zu finden – zumal wenn einem der Verstorbene persönlich bekannter sein durfte – ist hohe Kunst. Du hast hierfür die richtigen Worte gefunden.

10 03 2012
Wolfgang Deilmann (11:06:47) :

Mit Entsetzen habe ich in den ES-post Nachrichten vom plötzlichen Tod des Hanns Kneifel gelesen. Ein Trost in gewissem Sinn ist der schöne Nachruf von Uschi Zietsch. Zu den Büchern die mir besonders gefallen haben gehören die Jugendbücher „Ferner als Du ahnst“, „Oasis, Tor zu den Sternen“ und „Das Machaon Projekt“.
Wenigstens hat Hanns keine langdauernde, pflegebedüftige Krankheit gehabt.
Voller Traurigkeit, Wolfgang

10 03 2012
Heinz F. Schöller (14:32:30) :

Es mag sein, dass sein eigenwilliger Stil und seine meist ebenso eigenwilligen Charaktere nicht jedermanns Sache sind – mir hat Han(n)s Kneifel zu vielen spannenden und unterhaltsamen Lesestunden verholfen.

Zu meinen Kneifel-Favoriten zählen insbesondere die Atlan-Zeitabenteuer und seine großen historischen Romane, allen voran „Hatschepsut“. Danke dafür!

Persönlich bin ich ihm nur einmal begegnet; das war auf dem PR-Weltcon 2000 in Mainz. Daneben gab es zeitweise einen Briefwechsel und einmal sogar ein Telefonat.

Die Nachricht von seinem plötzlichen Tod hat mich betroffen gemacht. Denjenigen Menschen, die ihm persönlich nahestanden, gilt mein Mitgefühl.

10 03 2012
Ekkehardt Brux (22:55:39) :

Jetzt bin ich bestürzt. Das war nicht abzusehen. Im Januar saß ich noch mit ihm am selben Tisch und hörte ihm zu. Er erzählte lebendig und aufschlußreich von seinen Anfängen als Schriftsteller. Z.B. brachte er sein erstes Manuskript mit dem Fahrrad zum Verlag, er war Konditorlehrling. Die Entscheidung, zu schreiben statt zu backen, brachte der Auftrag, „Orion“-Bücher zu verfassen.
Am faszinierendsten finde ich den Mix aus SF und historischem Roman in den Atlan-Zeitabenteuern. Diese waren wohl Hanns‘ eigene Idee und sein originellster Beitrag zum Perryversum. Insbesondere daran werden wir uns immer mit Vergnügen erinnern.
Gott sei mit ihm!

11 03 2012
Barbara & Stefan (18:35:55) :

Oh je, Uschi, wir fühlen mit Dir und sind auch ganz betroffen! Wir durften Hanns Kneifel zwar nur einmal begegnen, aber was waren wir mit Glück gesegnet, dass er gerade bei uns am Tisch saß! Er hat einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen. Wir können die freundliche Lebendigkeit vorher gehender Einträge nur bestätigen. Sein literarischer Stil hat uns eingefangen und beeindruckt.
Danke für die Nachricht, Uschi, die uns über Facebook erreicht hat. Und danke für Deine Initiative, die uns zum Stammtisch geführt hat.

12 03 2012
Michel Van (22:40:09) :

Es tut richtig weh zu wissen, das Hanns Kneifel nicht mehr da ist.
Nur ein schwacher Trost, seine Romane sind noch da…

Schreib einen Kommentar

Du kannst diese Tags verwenden : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>