Mitternachtskinder

20 08 2013

Das Buch „Mitternachtskinder“ von Salman Rushdie gehört zu meinen All-Time-Top-10 Favorites und ist damit eines meiner Lieblingsbücher. Ich finde, dass der Autor hier (Anfang der 80er) zur Vollendung seines schriftstellerischen Könnens gelangt ist, die Geschichte der Unabhängigkeit Indiens von 1947 bis Ende der 70er an einem Charakter festzumachen, der etwas besonderes ist … so wie weitere 1000 Kinder, die genau wie Saleem am 14.8.47 zum 15.8. exakt um Mitternacht geboren wurden und mit besonderen Gaben ausgestattet sind. Die politische Entwicklung des Landes spiegelt sich in den großteils tragischen Leben der Mitternachtskinder wider. Historie verquickt mit Magie, und dazu noch märchenhafte Elemente wie „Der Prinz und der Bettelknabe“.
In seiner Autobiographie „Joseph Anton“ (findet sich in der Kategorie „Uschis private Lesemeinung“) erzählt Rushdie über die jahrelangen Probleme mit der Verfilmung seines Buches, da Indien ihm – zunächst bedingt durch die Fatwa – die Einreise verweigerte, Drehgenehmigungen widerrief und dergleichen mehr. Nun hat es aber doch noch geklappt, 3 Jahrzehnte später … Rushdie selbst hat sich der Verfilmung angenommen, das Drehbuch verfasst und als Executive Producer die Hand draufgehalten. Was kein Fehler war, denn es hätte eine Menge schiefgehen können.
Herausgekommen ist ein schönes, opulentes Epos, das dennoch und leider nicht an die Intensität des Buches heranreichen kann. Das wäre meiner Ansicht nach aber durchaus möglich gewesen, nachdem es Rushdie als Drehbuchautor gelungen ist, die Essenz seines Romans in Dialoge zu packen. Es hapert an der filmischen Umsetzung der Stimmungen. Hier hätte ein Regisseur anderen Formats hergehört, der das Ganze dann auch entsprechend umsetzt. Das Verfilmte kratzt nur an der Oberfläche und bleibt in der Summe zu sehr Bollywood. Vielleicht war das beabsichtigt, um die Geschichte nicht zu drastisch werden zu lassen, das wäre dann aber ein Fehler. Wir wissen von eindrucksvollen Epen wie „Der englische Patient“, dass die Intensität nicht überfordern muss.
Am stärksten gezeichnet sind die Frauen, Saleem bleibt eher ein bisschen blass, sein Wortwitz ist zu zurückhaltend. So ganz konnte mich der Schauspieler nicht überzeugen, wobei ich sicher bin, dass das in Rushdies Absicht lag, wie er seinen Charakter gesehen hat. Aber: Film ist nicht Buch, da gelten andere Maßstäbe. Hier hätte ein gestandener, erfahrener Berater an Rushdies Seite gehört, der sich aufgrund seiner Kontakte ohne Schwierigkeiten hätte finden lassen. Sicher sollte es ein indischer Film werden, aber ein bisschen amerikanischer Einfluss für den Tiefgang hätte nicht geschadet.
Dennoch: Die Verfilmung ist gut gelungen und sollte dazu reizen, das Buch in die Hand zu nehmen und einer der am schönsten erzählten Geschichten durch ein sagenhaftes, fernes Land zu folgen.


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