Der Hobbit 3 – Spoilerwarnung –

15 12 2014

So, da isser nu, der Abschluss.
Hm. Ich glaube, ich muss erst mal den Film sacken lassen. Und tatsächlich habe ich jetzt erst mal nachgelesen, inwieweit die Geschichte tatsächlich noch mit dem Buch zu tun hat.
Und sie hat! Die Schlacht der Fünf Heere ist ja einige Seiten lang beschrieben, Thorin, Fili und Kili tot, auch das ist „amtlich“.
Die Bilder sind manchmal schön, die Tierwelt reichhaltig (aber sowas von saumäßig realisiert, dass ich gedacht habe, ich bin bei der ersten „Kampf der Titanen“-Verfilmung), die zwar gut ausgesuchten, aber hoffnungslos unterforderten Darsteller geben sich alle Mühe, den Film zu retten. Mein Dank an sie. Dass sie keine Chance auf Charaktertiefe kriegen, ist nicht ihre Schuld.
Was schreibe ich da?!
Ja. Meinem Ehemann hat der Hobbit 3 gut gefallen, aber ich … bin zwiegespalten. Vielleicht war es mir einfach zu viel Schlacht und Gemetzel, das mich zu sehr an Herr der Ringe erinnert hat, aber unterirdisch ausgeführt wurde. Anstatt des monumentalen Draufschlagens hätte ich es dieses Mal, gerade weil es Bilbos Geschichte ist, lieber gehabt, mehr abseits davon zu erfahren und zu erleben, denn das hätte mehr Flair gegeben, mehr Anteilnahme. Das unblutige Köpfe abhauen habe ich einfach zur Genüge gesehen, vor allem weil es ja auch noch jede Menge Einzelkämpfe gab. Die Zwerge haben sich mächtig gut geschlagen (Mann, hat Dain einen Eisenschädel!), aber dieser Focus hätte mir als Schlachtgetümmel genügt, und der Rest am Rande wäre besser gewesen. 20 Minuten weniger hiervon und dafür 20 Minuten mehr in den 3. Akt gesteckt hätte der Filmerzählung sehr gut getan.
Nach wie vor hat mir Thranduil als Figur sehr gut gefallen, und ich habe auch nichts gegen die Liebesgeschichte von Tauriel und Kili als Kontrapunkt zu all der Gier. Die finde ich sogar sehr schön. Ja, ich bin unverbesserliche Romantikerin, aber gerade weil bei Tolkien alles so antiseptisch ist, finde ich das hier ausgleichend – nachdem ja nicht der Held, wie sonst üblich, seine Liebe findet. Und es passt auch gut zur Art der Elben.
Aber … na ja, es gibt halt auch ordentliche Schwächen, die einfach sofort auffallen, wenn man nicht so richtig reingezogen wird. Dieser dritte Teil kam mir, es tut mir leid, wie eine Arkham Asylum-Version des Herrn der Ringe vor. Das ist schon allein an der katastrophalen Darstellung der Plüschtiere, besonders des Elchhirsches Thranduils, zu erkennen. HALLO, ihr habt mal Gollum inszeniert!!!! Da ist jeder Lego-Stop-Motion besser!
Bilbo, sein Mut und seine Liebenswürdigkeit, seine Gewitztheit und seine Lebensklugheit sind nur noch in Ansätzen vorhanden. Mag ja sein, dass es im Buch an der Stelle auch nicht mehr allzu viel war, aber genau das hätte Jackson im Film ausgleichen können und müssen. Martin Freeman war völlig unterfordert und konnte nur einen Bruchteil seines Könnens geben. Das war verschwendet.
Der Film bietet einige gute Momente, aber hat leider auch sehr viele Schwächen. Und vor allem sehr viel Geschwätzigkeit.
Also fangen wir an.
– Als Erstes wäre da Gandalf, der außer im Käfig sitzen oder Herumreiten nichts geleistet hat, außer dass er weiterhin alles dorthin treibt, was in den Herrn der Ringe mündet, und der eine Menge Tote zu verantworten hat. Ein toller Zauberer fürwahr, der, ach ja, ansonsten hauptsächlich herumsteht und düster starrt.
– Die Seestadt-Figur „Alfred“, vermutlich der „Vater“ von Grima Schlangenzunge, ist ein äußerst überflüssiges Slapstick-Ärgernis. Keiner mit ein bisschen Hirn in der Birne würde ihm ständig vertrauen und ihm wichtige Aufträge erteilen, der hätte verjagt gehört und Ende, denn er trägt außer Nervtöterei nichts zur Handlung bei und hat keinen Sinn und Zweck. Lachen kann man über ihn auch nicht, denn solche Deppen wie den haben wir dreitausendmal gesehen. Filmminuten, die man anderweitig besser hätte verwenden können. Mir wäre lieber gewesen, Stephen Fry als Bürgermeister hätte überlebt und noch ein bisschen Charakter gehabt.
– Also Leute, Bilbo wirft einen Stein und der doppelt so große, dreimal so schwere, gepanzerte, helmtragende Ork fällt tot um. Und nicht nur einer!
– Da draußen sterben grad tausende Leute und Thorin, effektvoll in Szene gesetzt aus dem roten Nebel heraustretend, labert und labert und labert. Sein kaputtes Renommee kann er damit auch nicht mehr aufbauen, wir können ihn schon seit Teil 2 nicht mehr leiden. Rausgehen und draufhauen und in Würde abkratzen, zefix!
– Ok, da draußen ist alles am Arsch und 13 Zwerge wenden das Blatt. Hmja, Zwerge sind was anderes, und im Buch steht’s auch so. Aber diese zugegeben literarische Schwäche sollte ausgeglichen und nicht verstärkt werden! Und das Voranrennen Thorins und der anderen haben wir besser mit Aragorn gesehen. Schon wieder ein Déjà-vu!
– Tolle Finte von Thorin, Azog unter die Eisdecke zu befördern, indem er von seinem Stacheldings runtergezogen wird. Dann treibt er ohne das Stacheldings unter dem Eis dahin. Hä? Also, wenn er es nur in der Hand gehalten hat, dann lässt er es einfach los und fällt gar nicht runter. Wenn es an ihm festgekettet ist, wie ist er das im Absaufen so schnell losgeworden, nachdem er vorher nicht dazu in der Lage gewesen ist?
– Da kommt also ein zweites Orkheer aus dem Norden, und dann kommen die Adler, und am Ende sind alle Orks, die den Luftaufnahmen nach ein paar Tausend sind, platt. Von den paar Adlern aufgefressen oder wie? Einschließlich der Fledermäuse? Wow! Die schaffen ja mehr als tausend Haluter. (Kleiner Insiderscherz) Auf welches Heer genau sind die Adler eigentlich losgegangen? Für mich sah es so aus wie dasjenige, das schon im Tal unten war, die anderen sind ja erst nach und nach über diesen Pass gekommen, wobei man da nur die ersten paar gesehen hat, die von den wenigen Hanseln da oben getötet wurden. Oder bestand das Heer insgesamt nur aus 5 Mann? Seid’s mir nicht bös, aber das kann es nicht sein.
– Dunewürmer. Schnell mal ausgeliehen vom Setting nebenan, was? Jaja, ist recht.
– Trolle und was weiß ich alles, zweieinhalb bis viereinhalb Meter große Geschöpfe, und nicht wenige davon. Alle platt. Wozu brauch ich die eigentlich, wenn die schon beim ersten „Buh“ tot umfallen? Immerhin für die Orks braucht’s Steine …
– Ach ja, Smaug, da war ja auch noch was. Effektvolle Bilder übrigens, wie er da gelandet ist und so! Schaut in 3D echt toll aus, aaaber: Wieso benutzt Bard nicht die tolle Schleuder, die in Teil 2 so effektvoll gezeigt wurde? Ernsthaft, der benutzt seinen Sohn zum Zielen und spannt mit … ja, was eigentlich? Damit will der genug Schwungkraft haben?! Nä. Und sagen wir mal so: Lieber Peter, hättste das einfach noch in Teil 2 am Ende gebracht und als Cliffhanger das heranrückende Orkheer, das wär’s doch gewesen. Wen hat eigentlich Smaug noch interessiert? Jeder wusste, dass der in den ersten 10 Minuten stirbt. Wieso der Seestadt angegriffen und befeuert hat, wer weiß, denn außer öde Labern hat auch Smaug nix getan. Feuer hätte er auch nicht gebraucht, der hätte die allein schon zu Tode quatschen können.

Aber jetzt das, was mir den Film letztendlich gründlich versaut hat, denn bis dahin fand ich ihn eigentlich, abgesehen von dem saudummen Alfred, spannend und unterhaltsam und habe noch über all die vorausgehenden Fehler hinwegsehen können.

– Wieso erfahren wir NICHTS mehr, wie es dann weiterging? Schlacht vorbei, Bilbo geht heim, das war’s? Von düster zu bonbonfarben? Nicht ernsthaft, oder? Ich möchte bitte wissen:
— schön hätte ich es gefunden, da es ja nun zwei Filme hindurch thematisiert worden ist, nein, eigentlich drei, dass Thranduil das Geschmeide seiner toten Frau endlich zurückerhalten hat! (Man sieht es, als der verrückt gewordene Thorin (an der Stelle hat nur noch das diabolische Muaaaahahahahahaha gefehlt) es hochhält, das ist eindeutig der Schmuck einer Elbenfrau.) Nachdem von Liebe und Legolas‘ Mutter die Rede ist und Thranduils Verlangen nach dem Schmuck so sehr thematisiert wurde, hätte es hier einer (Auf)Lösung bedurft! Oder wir lassen das Gesülze einfach weg und er ist eben doch nur ein gieriger Arsch, so wie Thorin und seine Gefolgschaft. Da war ich schon fassungslos.
— Und dann: Was wurde aus Seestadt und den Leuten? Was hat Bard getan?
— Was wurde aus dem Arkenstein?
— Wer wurde der neue König unter dem Berg?
— Hat er die Schulden bezahlt? War der Krieg damit beendet und alle zogen happy von dannen, vor allem die Elben? Der König?
Aus dem Buch weiß ich das alles, aber, Himmel nochmal, ich will es im Film erzählt bekommen!! Da wird diese Geschichte aufgebaut und verpufft im Nix!
Und dann sind wir schon wieder in Bonbonland und alles ist gut.
Nein. Ist es nicht.
— Bitte schön, was hat Bilbo danach gemacht? Hat er weiterhin die Elben besucht als „Elbenfreund“? Zwei Minuten Bilder dazu! Mehr nicht! Wenigstens das Mithrilhemd nochmal gezeigt, das ansonsten keinerlei Sinn und Zweck erfüllt, da es nie zum Einsatz kam!

In diesen gefühlten hundert Minuten nach Thorins Tod saß ich mit heruntergeklapptem Kiefer da und hab es nicht geglaubt, als dann das Licht anging. Das war’s? Eine Geschichte in 3 Teilen?

Ist das hier ein Verriss? Klingt sicherlich so, aber … ich weiß es nicht. Es ist nicht so, dass ich den Film derart schlecht finde. Aber gut finde ich ihn auch nicht. Ich bin nicht enttäuscht, aber auch nicht beglückt.
Ich denke, ich lasse 1 Jahr Abstand verstreichen, bis die SE draußen ist, und wage mich dann nochmal daran. Mal sehen.

Erst mal darf ich noch auf einen Verriss von Kollegin Claudia Kern in ihrem Blog verweisen, der es (leider) richtig trifft. Ich hätte ihr gern widersprochen.


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2 Antworten zu “Der Hobbit 3 – Spoilerwarnung –”

15 12 2014
Zamorra72 (17:09:32) :

Hallo,

ich kann dir/Ihnen leider nur zustimmen es war der schwächste Teil aller 6 Teile von Mittelerde.
Vom technischen Stand der Dinge war er außergewöhnlich aber leider kann das, wie auch damals beim 3. Teil der Star-Wars Saga nicht über Mängel in der Story hinweghelfen.
Leider (vermutlich aus Geldgier) werden immer mehr Abschlussfilme einer Reihe aufgebläht, angefangen damals bei Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, über die Tribute von Panem bis hin jetzt beim Dreiteiler der Hobbit der besser wahrscheinlich ein Zweiteiler geworden wäre.

MfG
(und bis zum letzten Teil von Panem)

15 12 2014
RoM (21:16:30) :

Mae govannen, Uschi.
Bereits mit den Unpäßlichkeiten des ersten Teils war mir klar, daß Jackson & Co ihrTolkien-Pulver verschoßen hatten.
Sense of wonder und Magie – den Dienst quitiert! Dramaturgie/Charakterzeichnung „unbekannt verzogen“!!
Nicht zu verschweigen, daß die inszenierten K(r)ämpfe röchelnd mit schwerer Anämie ringen!!!

Nope. Mit seinem Hobbit-Souflé hat Peter Jackson niemandem einen Gefallen getan.
Besser gleich vergessen…

bonté

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