Ernst und der Zauberspiegel

19 01 2017

Auf Zauberspiegel online erschien eine neue Folge von Heinrich Stöller zu alten Heftserien. Wie immer sehr informativ und unterhaltsam – es lohnt sich ohnehin für SF-Fans, diese Artikelserie zu verfolgen. In der Ausgabe 23 wurde mein Freund und Kollege Ernst Vlcek erwähnt (etwa bis zur Mitte scrollen), und da will ich doch gleich mal wieder die Werbetrommel rühren. Fast 40 Jahre lang hat er die deutschsprachige SF und Fantasy geprägt – das darf nicht vergessen werden. Exklusiv bei Fabylon gibt es sein Lebenswerk STERNENSAGA mit dem posthum, wenige Wochen nach seinem Tod, erschienenen Abschlussband. Dazu die aktuelle Werkausgabe mit Bibliographie und biographischen Interviews und Artikeln. Es lohnt sich, reinzuschauen!

Vlcek bei Fabylon

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Freitag der 13.

13 01 2017

Gleich im ersten Monat des Jahres. Und? Nix. Wie immer. Da draußen rüttelt Egon am Fenster, ich lass ihn aber nicht rein. Zum Glück hat er seinen ganzen Schnee woanders abgeladen, trotzdem kein Grund, ihn einzuladen. (Korrektur: 10 Minuten später bringt er den Schnee – also nee!) Er muss leider weiterziehen. Nicht weiterziehen wird Mr. Trump, sondern erst mal einziehen, im Weißen Haus nämlich. Wie es aussieht, gibt es in seiner Regierung womöglich doch ein paar Leute, die was von Politik verstehen und hoffentlich klug umzusetzen wissen. Und in drei Jahren beginnt der nächste Wahlkampf. Amerika hat schon andere Präsidenten gehabt, die untragbar waren. Solange Trump nur rumproletet und die Arbeit anderen überlässt, wird er sogar noch zu den harmlosen gehören. Bald wird er  feststellen, dass die Regierungsarbeit eine ganz andere ist, als er sie je zuvor hatte. Zumindest dürfte er aber jetzt schon, gleich zu Amtsantritt (und vorher schon) die Spitzenposition der unbeliebtesten amerikanischen Präsidenten einnehmen. Seine Dummheit, seine Pöbelei tun das Übrige dazu. Die Welt jedenfalls wird ihn überstehen. Und dann ist Lisa Simpson dran. Oder hab ich jetzt was verwechselt?
Und bei uns? Wir werkeln eifrig, wie immer, den Tierleins geht es allen gut, und einige, die uns schon lange begleiten, werden allmählich älter und alt. Doch das Junggemüse hält sie in Bewegung. Tja, wir werden auch nicht jünger. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal „bis zur Rente“ als Zeitfixierung verwende. Und viele Jahre sind das gar nicht mehr. So wandeln sich die Perspektiven!
Wundern sollte es nicht – es ist doch tatsächlich 30 Jahre her (also im Herbst), dass wir Fabylon gegründet haben. Wir sind also schon wieder in einem Jubiläumsjahr, und gleich zu Beginn gibt es eine schöne Aktion: Die Preise für die „Waldsee“-Hörbücher sind drastisch gesenkt worden. Die schön gestalteten Sticks sind limitiert und ein tolles Köfferchen gibt es auch noch dazu. Guckst du hier



Auf nach 2017!

24 12 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs fröhliche, stressfreie Festtage im Kreise eurer Lieben. Lassen wir das Jahr 2016 hinter uns und nehmen wir uns alle fest vor, dass 2017 ein besseres Jahr wird, allen Gegebenheiten zum Trotz. Ein Jahr mit mehr Menschlichkeit, mehr Frieden, mehr Gesundheit, mehr erfüllten Wünschen.

Wir lesen uns!



30/20 Ein paar Gedanken

22 12 2016

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Zum Ausklang des Jahres nehme ich mir eine stille Minute. Ein bisschen wehmütig, aber auch voller Freude. Angesichts meines Jubiläums – 30 Jahre Erstveröffentlichung, 20 Jahre Freelancer – habe ich mein Debüt noch einmal publiziert. Ein wenig überarbeitet, um die eine oder andere Szene erweitert, und mit einem Anhang versehen „wie es dazu gekommen ist“. Ich habe mir das sozusagen selbst geschenkt, weil ich durchaus stolz darauf bin, so viel erreicht zu haben: Meinen Traum zu leben.
Umso schöner ist es für mich, dass viele meine Freude teilen. Seit Monaten schon bekomme ich Mails und Post von „Lesern der ersten Stunde“, die mir „von damals“ berichten. Manche haben das schlichte Heyne-Taschenbuch heute noch auf dem Nachttisch! Auf der einen oder anderen Veranstaltung gab es Begegnungen, die ich mir nicht erträumt hätte nach der langen Zeit: Menschen, die den Titel wiedererkennen, deren Augen dann aufleuchten, die sagen „ja, gibt es das wieder?“, das Buch in die Hand nehmen und mir erzählen, was sie beim Lesen damals empfunden haben. Das waren meine schönsten Momente dieses teils doch sehr … hm … befremdlichen Jahres.
In dieser Rückbesinnung, Melancholie und Nostalgie wünschte ich mir, mein lieber Vater hätte das noch erleben dürfen. Er starb vor 40 Jahren, als ich mitten in der Pubertät war und bereits fest entschlossen, gegen alle Widerstände Schriftstellerin zu sein. Nicht zu werden, denn zu dem Zeitpunkt hatte ich schon hunderte Seiten geschrieben und betrachtete mich als solche. Als ich 11 war, habe ich meinen Vater ins Vertrauen gezogen und ihn gebeten, sich meinen Text anzusehen. Er war mein erster Förderer, der meinen Geschichten, die ich als kleines Mädel, des Schreibens und Lesens noch gar nicht mächtig, schon damals lauschte. Nicht nur, dass er zugehört hat. Er hat auch Fragen zu den Inhalten gestellt, wodurch ich dazu lernte und die Geschichten zusehends strukturierte und ausbaute.
Jeden frühen Morgen, wir waren beide Frühaufsteher, sind wir eine halbe Stunde lang gemeinsam durch unseren Garten gewandert, das war die Stunde der Geschichten. Als ich dann endlich schreiben konnte, musste mein Vater den Lehrern erklären, warum ich statt mit Rechenaufgaben die Hefte lieber mit Geschichten füllte.
Mit 10 entdeckte ich die alte Reiseschreibmaschine meiner Mutter und tippte darauf in den Sommerferien meinen ersten Roman. So um die 50 Manuskriptseiten dürften es gewesen sein, und natürlich eine Pferdegeschichte, und als Westernfan spielte sie selbstverständlich in Montana und handelte von einem Wildpferd, das eingefangen wird. Selbst farbig illustriert. Ich überarbeitete einige Male, bis ich es wagte, meinen Vater um Rat zu fragen, das war dann schon in den Sommerferien des Jahres darauf. So wurde mein Vater zu meinem ersten Lektor, und seine Ratschläge verinnerlichte ich nicht nur, sie bildeten die Basis und das Grundhandwerk.
Ob er wohl ahnte, was aus mir einmal wird? Da er ein absoluter Büchernarr war, da er zu Kriegszeiten Essen gegen Reclambüchlein tauschte und lieber den Magen als den Verstand hungern ließ, hätte es ihn sicherlich sehr gefreut, mich als Schriftstellerin zu erleben.
Da ich meinen Vater als Kind sehr bewunderte, bestärkte mich sein Lob, und nicht weniger seine fundierte Kritik, die mich weiterbrachte. Er nahm mich ernst, obwohl ich ein Kind war, und obwohl ich „bloß schrieb“, was für die übrige Umwelt schlichtweg anrüchig und nicht nachvollziehbar war. Ausgerechnet ich wollte so tun, als sei ich Siegfried Lenz oder Heinrich Böll? Wollte ich ja gar nicht, ich hatte ganz andere Geschichten zu erzählen, aber diese interessierten niemanden. Denn solch eine Spinnerei war genau dasselbe wie ein unsichtbarer Freund – nicht ernstzunehmen.
Mein Vater tat aber nicht so, er nahm mich wirklich ernst, denn er war glücklich, mit mir über das sprechen zu können, was ihm am wichtigsten war, was ihm am meisten am Herzen lag. Bis ins Alter las er jeden Morgen jeden Buchstaben der Süddeutschen. Und mit mir zusammen Bücher. Wir sprachen viel über Literatur, und wir hatten so manches gemeinsam, was ich als Erwachsene erst erkennen konnte. Mein Vater las in den 60ern – sic! – Perry Rhodan, er sah sich jeden SF-Film an, ich durfte als 8-Jährige lange aufbleiben, denn um 23 Uhr erst kam King Kong (das Original), und weil ich ein großer Dino-Fan war, sah er sich den Film mit mir an und sprach mit mir darüber. Er verpasste keinen Loriot und keinen Scheibenwischer, und obwohl er als Frühaufsteher bevorzugt früh zu Bett ging, freute er sich jedes Silvester wie ein kleines Kind auf „Dinner for one“ und lachte jedes Mal Tränen. So wie ich heute noch.
Durch den Ansporn meines Vaters verließ mich nie der Wille zu schreiben, trotz der skeptischen, kritischen und negativ eingestellten Umwelt. Ich tat es auch nicht heimlich, sondern stellte mich der Herablassung. Das war nun einmal meine Welt, mein Traum, und den wollte ich leben, nicht im Stillen träumen. Ohne meinen Vater wäre vielleicht alles anders gekommen, hätte ich vielleicht doch irgendwann den Mut verloren und mich dem familiären Druck gefügt. Aber er hatte an mich geglaubt, und deshalb glaubte auch ich daran, dass ich auf dem richtigen Weg war. Und so habe ich heute fast alles erreicht, was ich erstrebt habe. Ein bisschen was ist noch übrig, aber es ist ja auch noch nicht Zeit für den Ohrensessel.
Danke, Papa, ich denke in diesen Tagen ganz besonders an dich, und die Freude über meinen Erfolg heute und meine ungebrochene Leidenschaft sind vor allem dein Verdienst. Vierzig Jahre sind eine lange Zeit, und dennoch vermisse ich dich, doch ich habe auch immer noch deine Stimme im Ohr und so manche deiner speziellen Mimiken sehe ich lebendig vor mir. Du warst, was Ethik und Philosophie und auch Politik betrifft, der beste Lehrmeister. (Was Finanzen betrifft nicht, ähem, Finanzminister hin oder her.) Du hast den Grundstein gelegt, und ich werde weiterhin deinen Werten folgen, die auch die meinen geworden sind. In meinen Geschichten lebt ein Teil von dir.


















Ein außergewöhnliches (limitiertes) Weihnachtsgeschenk

13 12 2016

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Wer nicht dabei sein konnte – aber auch, wer dabei gewesen ist: Eine bessere Erinnerung an ein abwechslungsreiches Wochenende kann es nicht geben. GarchingCon ist legendär, mit vielen Besuchern und Prominenz – und hat 2015 zum zehnten Mal stattgefunden. Eine nicht mehr wegzudenkende Einrichtung für Perry Rhodan- und Science Fiction-Fans. Mit Vorträgen, Interviews und Auftritten, wie etwa von Außer&Irdisch, aufbereitet auf 5 DVDs mit 8 Stunden Laufzeit. Zum Schnäppchenpreis von 20 Euro! Außerdem gibt es als einmaliges Erlebnis auf gesonderter DVD für nur 9 Euro „Die Galanacht des futuristischen Schüttelreims“ mit den drei bekannten österreichischen Kabarettisten Leo Lukas, Ludwig Müller und Simon Pichler. Auch hier ist die Auflage limitiert. Also zugreifen – und viel Humor verschenken!

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Auf zur Geschenkejagd ;-)

6 12 2016

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Ja, an der Stelle möchte ich mal wieder auf den „Mega-Klopper“ aufmerksam machen. Natürlich auf die Folgebände auch, aber dieses 1,5 Kilo schwere Hardcover ist limitiert und die Kartons im Lager sind mittlerweile sehr gut übersichtlich. Ich gehe davon aus, dass ich spätestens nächstes Weihnachten das letzte Mal Werbung dafür mache, dann ist es ausverkauft – und es wird definitiv keinen Nachdruck mehr geben! Dieses aufwändige Teil war finanziell meine größte Herausforderung (mehr noch als das Hörbuch für den Verlag) und der VK-Preis mit 45 Euro kalkuliert zu wenig, aber ich habe mir das aus eigener Tasche gegönnt, weil es mir schlichtweg am Herzen liegt. Ein zweites Mal ist das aber nicht möglich. Ich freue mich, dass das Hardcover viel mehr Verkäufe erzielt hat als ich gerechnet hatte und jetzt sogar allmählich dem Ausverkauf entgegenschreitet. Deshalb an der Stelle: Wenn ihr was Schönes und Seltenes schenken wollt, das sich gut macht im Buchregal und in dem man immer wieder mal schmökern kann, dann greift jetzt zu. Ich signiere natürlich und auf Wunsch (einfach bei Bestellung mit angeben) mit persönlicher Widmung.

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Leserunde zu „Immortal Blood“ auf Lovelybooks

1 12 2016

9783927071988

 

 

 

 

Die Leserunde ist schon in vollem Gange, aber jeder, der mag, kann natürlich noch mitmachen! Und Unentschlossene können hier hineinschnuppern und sich die Entscheidung erleichtern. Die Leserunde verläuft bisher sehr intensiv und positiv.

Klick dich hin



Gedanken zu Perry Rhodan Neo 135

25 11 2016

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Und noch ein Roman in der Staffel – yeah! Mir gefällt diese Widerstandsgeschichte auf der Erde, und das Kosmische mit den Liduuri, und ich mag auch die Konstellation mit Tuire und Ishy gern.
Was ich an diesem Roman aber am liebsten mag, ist natürlich die Wüste. Als Rüdiger Schäfer, seines Zeichens einer der zwei Expokraten, mich fragte, ob es New York oder Dubai sein sollte, hatte er die Antwort schon wenige Sekunden später im Mailfach. Zurück in die Wüste!
Wer die „Elfenzeit“ verfolgt hat, und den Nachfolger „Schattenlord“, weiß längst, dass ich ein Faible für die Wüste habe. Und das liegt schlichtweg daran, dass ich 1995 auf einer Kamelkarawane durch die Sahara unterwegs war. Es war eine der ersten, die überhaupt mit ausländischen Touristen stattfand – zu viert, mit zwei Führern, vier Reit- und einem Lastkamel. Die Menschen dort konnten uns nicht verstehen, wie man so bescheuert sein kann, freiwillig durch die Wüste zu latschen.
Das Fazit dieser „bescheuerten Reise“ ist, dass ich damals ein Stück von mir in der Wüste zurückgelassen habe. Dass es eine unglaubliche Erfahrung war, die sich mit nichts vergleichen lässt, was ich sonst je erlebt habe. Gerade durch die Reduzierung auf das Mindeste. Unsere winzige Gruppe, primitivste Ausstattung, körperliche Erschöpfung über die Grenze hinaus, nur die Kamele, die Wüste und wir.
Auf diesem Terrain kenne ich mich also von Haus aus besser aus als im New York in rund 40 Jahren. Und ich wollte etwas darüber schreiben. Mit Karl May, was die meisten Leute annehmen, wenn ich anfange, von der Wüste zu erzählen, hat das nichts zu tun.
Denn ich war dort. Ich weiß, was eine Oase ist. Ich habe Beduinen da draußen kennengelernt, ihre Gastfreundschaft, die in der Wüste selbstverständlich ist. Auch heute im Jahr 2016 und das wird in 30 oder 40 Jahren auch noch sein, solange sie in der Wüste leben. Da gibt es Traditionen, die niemals gebrochen werden, egal wie modern die Ausstattung mittlerweile sein mag. Auch die Beziehung der Araber, Beduinen, Nomaden, gleich welchen Stammes, zu ihren Tieren wird sich nicht verändern. Die Wüste fordert Respekt ab, und die Tiere, die es schaffen, darin zu existieren, noch mehr. Dessen sind sich die Menschen, die dort leben wollen, bewusst.
Authentisch ist also alles, was ich beschrieben habe. Die Kamele, die Palmen, die Zelte, der Sand, die Menschen.
Was die Auswirkungen des Cortico-Syndroms betrifft, so habe ich mich ein bisschen in Saramagos „Stadt der Blinden“ hineinversetzt gefühlt, und zwar nach der Flucht und der Rückkehr in die Stadt, in der alles langsam an Apathie zugrundegeht.
Und wieder ein Massaker, das Dubai zugrunderichtet, was aber verschwindend ist angesichts des drohenden Todes von Milliarden Menschen.
Da tut es gut, dem Super-Nerd zu begegnen, wie frisch aus der Big-Bang-Theory entsprungen. Ein Hoffnungsschimmer. Und für mich ein echtes Vergnügen gewesen zu schreiben.



Gedanken zu Perry Rhodan NEO 132

24 11 2016

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Der Zyklustitel „Meister der Sonne“ allein ist es schon wert, dabei zu sein. Die besondere Aufgabe bei diesem Roman war, die unglaubliche Fülle an Informationen, Personen und Handlungsebenen unterzubringen. Dafür benötigte es, obwohl erst Teil 2 des Kurz-Zyklus von 10 Bänden, ordentlich Recherche und Strukturarbeit. Doch der Anfang, der schrieb sich von selbst.
Ich möchte dazu ein wenig ausführen. Touristisch hat es mich nie nach Russland gezogen. Warum, weiß ich nicht. Ein reines Bauchgefühl. Mit diesem Exposé war ich aber dazu gezwungen, zumindest geistig dorthin zu reisen. Und dabei stellte ich fest, wie vertraut mir das alles dort eigentlich ist. Die Vorfahren meiner Mutter stammen aus Russland. Die „Starros“ waren Großknechte gewesen und entstammten damit gewissermaßen der Mittelschicht. Warum sie ausgewandert sind, ist mir nicht bekannt. Sie ließen sich in Niederbayern nieder und wurden Bauern.
Ein bisschen was muss noch in meinen Genen aktiv sein, denn ich habe sehr früh angefangen, mit zehn Jahren, russische Literatur zu lesen, und zwar genau die dicken, schweren Schmöker. Vor allem Dostojewski hatte es mir angetan. Bis ich 13 war, hatte ich ziemlich alles von ihm gelesen, was auf deutsch zu bekommen war. Und natürlich Tolstoi & Co. So einen seltsamen Eifer in dem Alter mit derart schwerer Kost kann ich nur mit den Genen beantworten.
Mit all diesen Voraussetzungen war ich begeistert, literarisch auf die Reise nach Russland zu gehen – und Petersburg platt zu machen. Das passt doch genau zur russischen Seele; am Ende sind alle tot. Das wollte ich deshalb nicht einfach aus der Außensicht, sondern ganz unmittelbar, mittendrin, mit den Augen der einfachen Leute beschreiben.
Ich habe mit den alten Leuten des 1. Kapitels die Brüder Boris und Arkadi Strugazki, sowie ihre Mutter Alexandra verewigt. Als ich mit 13 Jahren die Science Fiction für mich entdeckte, waren es ihre Werke, die ich als erste las – denn sie waren Russen und ich noch nicht „durch“ mit der russischen Literatur.
Die Trinksprüche sind authentisch, ebenso, dass man ohne sie als Säufer gilt.
Am Ende ihres Lebens hören die „Stugarskis“ ein Summen in der Luft, das so ähnlich klingt wie ein Volkslied. Sie singen mit, in der plötzlichen Gewissheit, dass sie gleich sterben werden. Es ist die Melodie des Untergangs, denn das Summen stammt natürlich von den Waffen der Sitarakh, mit denen sie Petersburg zerbomben, als Antwort auf den Angriff russischer Seite. Diesem Massenvernichtungsschlag können auch die drei Russen in dem schwankenden Boot nicht entkommen.
Alexander Solschenizyn, einer der wichtigsten und eindruckvollsten Literaten Russlands, schrieb „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“. Der von mir beschriebene I.D. hat seinen letzten Tag – im Kreml. Er entkommt dem Grauen, indem er sich aufs Land absetzt. Sein Nachname, Schukow, bedeutet „Käfer“. Aber er wird eben nicht als solcher zertreten, sondern zeigt sich mit zähem Panzer. Sein kühl kalkulierender Kollege Morosow, der die Dinge rechtzeitig erkennt und die Flucht vorschlägt, trägt folglich den Namen „Frost“.
Die beiden Russen begreifen genauso wie Professor Oxley, dass der Angriff des russischen Präsidenten mit den Raketen irrer Wahn ist. Behauptungen hin oder her, allen ist klar, dass der Einschlag der Raketen in das Sitarakh-Schiff Petersburg zerstören wird. Dem russischen Präsidenten ist das aber egal, und genau darauf kam es mir an. Diese Unmenschlichkeit habe ich nicht wörtlich ausgeführt, nur im Ansatz: „Du denkst doch nicht, er …“ und „Er … er …“ Nein, das Ungeheuerliche darf nicht laut ausgesprochen werden, um eine Panik zu vermeiden. Eine kleine Hommage an die „Watchmen“, wo am Ende alle Helden die Wahrheit über den „Alien-Angriff“ verschweigen. Bis auf einen – aber für den hatte ich hier keinen Platz.
Für einen kurzen Moment entkommt Petersburg der Vernichtung, als der Raketeneinschlag einfach zerpufft, ohne weitere Auswirkungen. Gezündet oder nicht, lässt sich nicht feststellen, jedenfalls passiert nichts.
Dann beginnt die Tragödie mit den Strafaktionen, Petersburg nahezu zerstört, ein Handelsschiff vernichtet, Zehntausende verlieren das Leben. Stellvertretend für sie habe ich drei alte Russen in ein Boot gesetzt, als berührenden Moment aus der Nähe. Den Rest kann man nur aus der Distanz ertragen.



Leserunde zu „Die Lazarus Verschwörung“ – Steampunk – nur noch 3 Tage Bewerbungsfrist!

23 11 2016

9783927071674

 

 

 

Noch drei Tage Bewerbungsfrist, um an der Leserunde auf Lovelybooks zu der originellen SteamPunk-Geschichte um ein spannendes Maschinenrennen teilzunehmen! Ladina Bordoli nimmt als Autorin selbst an der Leserunde teil, und wer sich noch nicht entscheiden kann – auf der Seite gibt es ausführliche Infos und Leseproben!

Hier mitmachen