Before Watchmen 7: Dr. Manhattan

Straczynski ist wieder am Werk, bildlich umgesetzt von Adam Hughes, was mir ganz ausgezeichnet gefällt. Die Story … hm, die lässt mich sehr zwiespältig zurück. Einerseits toll erzählt, und trotz der Zeitsprünge nicht verwirrend – insofern man „Watchmen“ kennt. Andererseits erfahren wir halt überhaupt nichts Neues, denn all das wurde bereits in den Watchmen durchgekaut, abgesehen von einigen Hintergründen, die hier hinzugefügt wurden. Doch Jon Ostermans Geschichte als erwachsener Mann kennen wir sehr gut, und wir kennen viel über das Ultrawesen Dr. Manhattan. Viele Fragen bleiben aber dennoch ungeklärt. Beispielsweise, wieso ist Jon in der Lage, Laurie zu lieben, wie es eindeutig ausgesagt wird und wie wir es auch erleben? Was sind denn überhaupt seine Emotionen, seine Beweggründe? Warum nimmt er auf diese Weise Einfluss auf das Geschehnis, wenn er die Quanten-Parallelen alle kennt? Die Legende vom Huhn und vom Ei: Hätte Ozymandias seinen grauenvollen Plan ausführen können, hätte es den blauen Gott nicht gegeben? Hätte der blaue Gott nicht auf andere Weise einen Weltkrieg verhindern können? Warum hat er das nicht durchexerziert und ausgetestet, was passiert, wenn er auf diese oder jene Weise Einfluss nimmt? Da er zu allen Zeiten gleichzeitig existiert, hätte er jederzeit alles ändern können – wie er es ja dieses eine Mal auch getan hat. Was also hat ihn dazu bewogen, da er augenscheinlich über Emotionen und noch ein menschliches Moralempfinden verfügt, ausgerechnet Ozymandias‘ Plan zu unterstützen, der Millionen (teils ihm nahestehender!) Menschen das Leben gekostet hat? Das hätte mich viel mehr interessiert – „was wäre, wenn“ durchzuspielen; gerade Straczynski wäre dafür der richtige Autor gewesen.
So muss ich sagen: ein gutes, anspruchsvolles Werk für sich, aber dahinplätschernd schwach für die Beendigung des Prequels. Schade.

Den Nachzügler, „Crimson Corsair“ lege ich mir nicht mehr zu, da er lediglich die Comicgeschichte in den Watchmen enthält, die dort fortlaufend erzählt wird, mir also bestens bekannt ist, sowie einen One-Shot über Dollar-Bill, der mich nicht interessiert.

Fazit: Trotz einer gewissen Meckerei kann ich nur sagen: Watchmen-Fans können auf dieses Prequel nicht verzichten. Das höchste Niveau erreicht der erste Band der „Minutemen“, der zu den besten Graphic Novels der letzten Jahre gehört, und den ich schon dreimal gelesen habe. Die folgenden Bände sind von „durchwachsen“ bis „hervorragend“, aber allesamt auf hohem Level. Experiment gelungen.

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